Woher weiß die Datenkrake Xing das???

Ich muss sagen, ich bin ja ein großer Freund der Digitalisierung. Man findet immer schnell Antworten auf fast alle Fragen. Man kann leicht in Kontakt bleiben mit Freunden und Familie. In meiner Kindheit hat ein 10 Minuten-Gespräch mit der Oma im Nachbarort gefühlt ein halbes Vermögen gekostet. Heute ist das alles ganz einfach. Zu einfach… Da fällt mir auch nur wieder der Begriff Datenkrake zu ein.

Ich habe mir ja vom Arbeitsamt eine Maßnahme gewünscht, die sich „Selbstvermarktungsstrategien für Akademiker“ nennt. Man kann ja nur dazu lernen. Gleichzeitig bin ich bei meiner Jobsuche auch sehr aktiv auf Xing unterwegs. Man kann dort ganz leicht Stellen suchen, findet Infos zu den Kontakten und kann auch abends schon eine kurze Nachricht schicken und um ein Telefonat bitten. Ich bin wirklich überzeugt von Xing!

Oder war es? Denn Xing macht mir plötzlich Angst.Xing entpuppt sich nämlich als ganz fürchterliche Datenkrake! Da war ich am Montag mit einer netten jungen Dame zusammen im Seminar. Wir haben zusammen in einem Raum gesessen und uns nett unterhalten. Keine Kontaktdaten ausgetauscht oder so. Gleiches gilt für den Trainer von gestern. In einem Raum gesessen, keine Kontaktdaten getauscht. Und was macht Xing? Schlägt mir genau diese beiden Personen als mögliche neue Kontakte vor! Woher weiß Xing, dass wir uns kennen könnten???

Hätten wir Nummern getauscht oder uns bei Facebook vernetzt, ich hätte es auf die Xing-App geschoben, die mein Telefonbuch durchforstet. Haben wir aber wie gesagt nicht. Irgendwie scheinen die Handys aber doch miteinander zu kommunizieren. Oder die Standortdaten werden doch höchst präzise erfasst. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, ich sollte mein Handy ausschalten oder noch besser, gar nicht erst mitnehmen, wenn ich irgendwo hin gehe, da ansonsten irgendjemand auf der Welt weiß, wann ich wo war und vor allem mit WEM!

Ich glaube, ich werde mir in den nächsten Tagen mal die Mühe machen und dort nachfragen. Das ist mir zu unheimlich um das jetzt einfach so stehen zu lassen. Vielleicht hilft mir Google auch weiter. So genau hat noch nicht mal Facebook die Auswahl getroffen, obwohl ich mir da auch schon oft genug die Frage gestellt habe, wieso ich oft so viele passende Vorschläge bekommen haben. Ich finde es jedenfalls irgendwie bedrohlich, dass irgendwer herausfinden kann, wann ich mit wem in einem Raum gewesen bin. Dass es mittlerweile so extrem geworden ist, war mir bisher nicht bewusst, auch wenn mir natürlich klar ist, dass irgendwer meine Daten durchaus sammelt, aber ich habe noch geglaubt, dass man ohne das GPS am Handy eingeschaltet zu haben nicht sooo genau überwacht werden kann. Scheinbar hat mich die Datenkrake aber schon fest in ihrem Griff.

Hattet ihr auch schon so ein Erlebnis? Wie geht ihr damit um? Was denkt ihr darüber, dass unsere Daten so höchst präzise abgefangen und scheinbar aufgezeichnet werden?

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39 Discussion to this post

  1. Pruedi sagt:

    Schöner Artikel und ich will auch nicht in Frage stellen, dass diverse Apps mehr über einen in Erfahrung bringen, als es sie etwas angeht, aber im geschilderten Fall ist es (aus Sicht eines Informatikers) noch deutlich einfacher. Xing bzw. jede aufgerufene Internetseite erfährt in einer Anfrage, von wem ein Aufruf erfolgte. Dabei handelt es sich nicht um eine persönliche Information sondern um die s.g. IP-Adresse, die sich hin und wieder für einen auch ändert. Schließlich wartet in der Regel eine Anfrage auf eine Rückmeldung, die korrekt adressiert sein will. Erfolgen nun zwei Anfragen unterschiedlicher (Xing) Benutzer mit der gleichen IP Adresse, nämlich der desjenigen, in dessen WLAN ihr möglicherweise eingeloggt ward, so können daraus Schlüsse wie im vorliegenden Fall gezogen werden. Vielleicht hat Dir Xing auch weitere Seminarteilnehmer vorgestellt, die Du gar nicht persönlich kennen gelernt hast 😉
    Meine Schilderung bezieht sich aber lediglich auf die einfachste Form der Informationsgewinnung. Das schließt natürlich nicht aus, dass in Apps deutlich suptilere Wege gewählt werden. Vor einiger Zeit ging beispielsweise mal durch die Presse, der der Facebook Oberguru die Kamera seines Notebooks abgeklebt haben soll. Entspricht dies der Wahrheit so wird er schon wissen, wieso er derartiges tut/tat. Vielleicht hat er ja auch gar das Mikrofon „mundtot“ gemacht …

  2. emhaeu sagt:

    Technisch ist die Sache mit Xing ganz einfach: Wenn beide mit ihren Geräten im gleichen Raum waren, dann ist klar, dass beide in der Nähe der gleichen WLAN-Station gewesen sind. Ob sie sich da anagemeldet haben oder nicht, spielt keine Rolle – das Gerät nimmt mit allen (!) WLAN-Staitonen, an denen es vorbei kommt, Kontakt auf. Bei Bedarf können diese Daten dann zwecks Ortung abgefragt werden.
    Nun hat Xing, so vermute ich, Zugriff auf den Standort des Xing-Users. Dann braucht nur noch abgeglichen werden, welche User sich zu welchem Zeitpunkt in der Nähe des gleichen WLAN-Punktes befunden hat – fertig ist die Laube.

  3. Olga Wetzler sagt:

    Das stimmt wirklich, es ist tatsächlich manchmal beängstigend woher die all diese Informationen her bekommen. Schönen Sonntag dir!

  4. Bisher habe ich nur von Xing gehört, dass dort Jugendliche, Akademiker oder Jobsuchende mit guter Ausbildung sind. Da liege ich sicher falsch. Facebook und Co. sind für mich ausreichend. Da brauche ich Xing nicht und werde auch nie dort zu finden sein.

    LG Sabine

  5. BIG Brother is watching you!

    Ich hab das mit dem Standort-Tracking so gelöst, dass ich die im Smartphone bei Einstellungen alle erst einmal ausgeschaltet habe. Und dann einzeln durchgegangen bin und überlegt habe, ob die App, das wirklich braucht. Alle bei Bahn-Apps klar, aber sonst eigentlich nicht.

    Genauso hab ich den Zugriff auf Kamera, Fotos und Mikro gesperrt. Wenn ich das mal brauchen sollte, meldet sich eh die App, dass dann etwas nicht geht, da kann man das aber schnell einschalten.

    N Schock bekomme ich nämlich jedes Mal, wenn mir Facebook auf meine zuletzt geschossenen Fotos zugreift und die anzeigt. Da denk ich mir jedes Mal, krass. Nicht, dass irgendwer dann einfach zuhört oder uns beobachtet, während wir ständig ins Handy starren.

    Für die Xing-App kannst du den Standort-Zugriff ausschalten.

    Grüßken, Yasemin aka WeltenBewegerin.de

    • Prüfkiste sagt:

      Ja, das muss ich mal machen, danke für den Tipp. Dachte auch dass ich das generell abgeschaltet habe, aber wahrscheinlich doch nicht.

  6. honigperle sagt:

    Jaja – die www-Datenanalyse hat es in sich! Ich lerne gerade einiges darüber – im Rahmen einer Social Media Ausblidung – aber ganz zu durchblicken ist das System nicht. Jedenfalls werden wir ziemlich analysiert bevor uns ein Kontakt oder auch eine Werbung vorgeschlagen wird. Ich sehe das ganze lieber aus der spirituellen oder positiven Sicht – es gibt mit Sicherheit einen Grund – warum du die nette Dame oder sie dich wieder gefunden hat 🙂 lg Melanie – http://www.honigperlen.at

  7. Hallo Tanja,

    in Xing bin ich nicht 🙂 Eigentlich reicht mir schon FB, aber wollen wir uns nichts vormachen, welcher Anbieter macht es nicht. Egal ob man über Handy oder PC, die Daten werden bei vielen ausspioniert und sogar weitergegeben 🙁 und ohne das wir gefragt werden ! Selbst wenn man sich neu in einer Stadt oder Gemeinde anmeldet, werden die Daten weitergegeben 🙁 ….

    LG Katrin

    • Prüfkiste sagt:

      Das mit der Weitergabe der Daten bei Neuanmeldung nach einem Umzug kann man sogar unterbinden, man muss das nur schriftlich mitbringen, dass die keine Daten weitergeben dürfen. Ansonsten hast du Recht, nichts ist mehr sicher. Wenn man wenigsten wüsste wer die Daten hat…

  8. Dass abhören über Facebook kenne ich auch. Mit einer Kollegin ist uns das immer wieder aufgefallen. Wir sprechen über Babys. Sie bekommt Werbung für Kinderwagen angezeigt. Wir unterhalten und übers häkeln, ihr wird Wolle angezeigt.
    Mir aber nicht. Also keine Ahnung, wonach das geht. Es ist wirklich gruselig.

    • Prüfkiste sagt:

      Je mehr ich das höre um so beängstigender ist das für mich… Daheim schalten wir immer die Mikros aus wqenn wir nicht skypen oder im TS sind, Handyapps haben wir auch nicht, ob es deshalb vielleicht nicht passiert bei uns?

  9. Kam mir auch schon einige Male so vor, dass ich Werbung über gesprochene Sachen bekam..okeeh, bin anscheinend nicht die einzige, media müssen also keine gegeben werden ( oder abgesetzt gg ).Andererseits, vllt sogar praktisch: man sagt etwas, und im nächsten Moment kommen schon sämtliche Angebote 😉

  10. Tanjas Bunte Welt sagt:

    Da fragt man sich dann schon und bekommt Gänsehaut, aber ich gehe davon aus, dass auch jetzt jemand weiß, das ich das hier tippe und weiß wo du gerade bist und was ich mache. Ich lasse mich da nicht beklemmend dadurch. Alles kostet seinen Preis. Wir wollen immer mehr und besseres, aber wie soll das gehen, wenn sie unsere Vorlieben nicht kennen und unser Nutzungsverhalten.
    Bin gespannt was rauskommt und ob
    Liebe Grüße

    • Prüfkiste sagt:

      Naja, ich kann damit leben, dass Amazon meine Suche speichert, aber so krass habe ich es noch nie erlebt, uns hat ja NICHTS verbunden außer der Raum in dem wir waren…

  11. Das ist alles sehr gespenstisch, aber über ein wenig Werbung oder Kaufvorschläge hatte ich solche Erlebnisse noch nicht. Lokalisieren funktioniert aber auch über WLAN und das Telefonnetz bzw am Festrechner über IP-Nummern. google-Maps startet z. B. meistens in der Gegend wo man gerade im Netz hängt.

    • Prüfkiste sagt:

      Ja, dass über die Funkzellen jemand halbwegs gut geortet werden kann, war mir bewusst, aber auf den Meter genau, inklusive den Leuten, mit denen ich im Raum war?? Das habe ich nicht erwartet…

      • Ja, das ist schon spooky. Aber es muss doch wohl dahinterstecken, dass diese Menschen Dir räumlich nahe waren. Alles andere wäre noch erschreckender 😉

        • Prüfkiste sagt:

          Ja, aber wie können die das so genau sehen, dass wir in einem Raum waren und nicht nur in einem Gebäude oder im gleichen Einkaufszentrum?

          • Gab’s da nicht in den USA vor kurzem einen spektakulären Skandal-Fall mit Patienten bei einem Therapeuten wo es genau darum ging, dass Leute irgendwie verknüpft wurden, die nichts gemeinsam hatten, außer dass sie zu diesem Arzt gingen ? Bei Xing (das ich selber nicht kenne) kann ich mir aber vorstellen, dass außer demselben Aufenthaltsort auch noch andere Details übereinstimmen, irgendwelche Parallelen im Profil wie berufliche Schwerpunkte, Studienfach, Studienort oder in diese Richtung. Entziehen kann man sich dem vermutlich nur noch, wenn man das Telefon zuhause im Kühlschrank lagert und ausschaltet. Und dann weiß es bestimmt trotzdem, was Du gerne isst.

          • Prüfkiste sagt:

            Wenns wenigstens Studienkollegen wären… Aber und hat NICHTS verbunden!

          • Eine Idee habe ich doch noch: Facebook schägt mir manchmal Leute als Freunde vor, bei denen ich vermute, dass sie dort nach mir gesucht hatte. Aufgefallen ist mir das das erste Mal, als ich zuletzt auf Wohnungssuche war. Da schlug mir fb plötzlich jemanden vor, bei dem ich ein Zimmer angeschaut hatte.

          • Prüfkiste sagt:

            Mmmh, ja, das kann schon sein. Erklärt aber nicht, wieso mir Leute vorgeschlagen werden, deren Namen ich schon 10 Minuten nachdem sie ihn mir genannt hatten, vergessen hatte…

  12. nurmalich sagt:

    Inzwischen ist ALLES möglich. Und wenndas so weitergeht, ist morgen sogar mehr als alles möglich! 🙂

  13. Dirk sagt:

    Konsequent das kleingedruckte lesen und überall unnötige haken deaktivieren ist wichtig in unserer heutigen Welt, wer social media nutzt, sich aber die mühe nicht macht, mutiert ungewollt zum „All you can eat Menü“ für die Datenkraken.
    Mich fragte mal fb plötzlich ob ich eine Nadine sowieso kenne.
    Tjoa ein paar Tage später dlog auf das mein bester Freund seine Freundin betrogen hatte, mit eben dieser Nadine sowieso …. tjoa fehler mein Freund.
    Mir zeigt hingegen google immernoch werbung für gothic produkte an, meine ex die schon lange Geschichte ist war ein fan davon und für die dinge die meine Freundin mag ich aber nicht, bekomme ich nach einem dreiviertel jahr beziehung immer noch keine werbung angezeigt.
    Es geht also durchaus, unter dem Radar zu fliegen.

    • Prüfkiste sagt:

      Hahaha, das mit der Zweitfreundin ist ja eine lustige Geschichte! Eigentlich schaue ich auch immer, dass alle Haken weg sind, aber scheinbar reicht das noch nicht ganz…

  14. Gruselig, sowas. Mir ist vor kurzem passiert, dass mir bei Einschalten meines Laptops in Berlin (ich habe da einen Zweitwohnsitz) Werbung für etwas angezeigt wurde, nach dem mein Mann auf seinem Rechner zu Hause gesucht hatte. Woher wußte mein Laptop das? Sie sind nicht miteinander vernetzt, es sind verschiedene Provider, usw.
    Manchmal krieg ich auch Werbung für Dinge, über die ich lediglich gesprochen habe. Besonders Facebook scheint einen abzuhören.
    Es ist wirklich beängstigend teilweise

    • Prüfkiste sagt:

      Ja, mir war das bis heute nicht klar, wie extrem das alles geworden ist. Dass selbst Gespräche abgehört werden habe ich noch nicht erlebt, würde es jetzt aber auch nicht mehr ausschließen. Mein Vater warnt immer davor, dass das immer schlimmer wird mit der Überwachung, aber wer hört schon auf seine Eltern, die ohne Internet aufgewachsen sind. Stellt sich heraus, dass er nicht ganz unrecht hat.

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